Startseite - Alpen - Kombinierte/Hochtouren - Großglockner Normalweg von Kals - 1. Versuch | Großglockner (3798 m) Ostanstieg (Normalweg von Kals), II, Firn und/oder Eis 35 bis 45°
 | Traumatische Traumtour Der Versuch einer Begehung eines belagerten Berges | Unser Team vom 23. Juli 2006: Simone und Hans-Torsten Krüger, Marion und Aldo Bergmann | Du hast zwei Möglichkeiten, den nachfolgenden Bericht zu lesen: Entweder hier im Block und Anwahl der Bilder bei Interesse oder sofort das erste Bild (oder hier) klicken und der Galerie folgen, in der sich der Text am jeweiligen Bild befindet! |
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Hätte ich an diesem 23. Juli 2006 schon gewusst, wie schmal sowohl die Glocknerscharte als auch der Grat des Kleinglockners wirklich sind, hätte ich meinem Team vermutlich bereits auf der Adlersruhe empfohlen, den Rückzug anzutreten. Nein, nicht weil sie zu gefährlich oder nicht zu bewältigen sind, sie sind ein Nadelöhr! Aber beginnen wir von vorn: Nach der Watzmann-Überschreitung und dem Aufstieg durch das Höllental zur Zugspitze war es die Idee von Simone, doch als nächste Tour den Großglockner ins Auge zu fassen. Das kam etwas überraschend, denn der Normalweg war bis dahin nur als Abstieg nach dem geplanten Stüdlgrat vorgesehen. Doch die Idee war gut, das Unternehmen als machbar befunden, und so ging es am 22. Juli 2006 über Kals zum Lucknerhaus und vom dortigen Parkplatz (Bild 2) aufwärts zur Stüdlhütte. Die war hoffnungslos überfüllt, selbst auf den Gängen hatten Bergsteiger ihre Schlaflager. Zum Glück hatten wir reserviert. Doch als wir am Morgen des 23. Juli unsere Tour antraten (Bild 3), waren schon mindestens 60 bis 70 Personen vor uns aufgebrochen, hinter uns folgte eine ebenso lange Schlange. So richtig bewusst wurde uns dieses Ausmaß bei Erreichen des Ködnitzkees, hier verlangsamen sich alle Seilschaften, da die Eisausrüstung anzulegen ist. (Bild 4) Der Aufstieg über den Gletscher ist problemlos (Bild 5) und auch der nachfolgende versicherte Felsgrat, der direkt an der Erzherzog-Johann-Hütte endet, macht keine Schwierigkeiten. (Bilder 6 und 7) Unser einziges Problem dort: während wir am Einstieg zum Grat anstanden, wie früher in diesem Teil Deutschlands bei Bananen üblich, wurden wir regelrecht frech von einem Bergführer mit 13 (dreizehn) Personen im Schlepp weggedrängelt und überholt. Die Adlersruhe hatten wir in der angegebenen Zeit von 2 1/2 Stunden trotzdem gut erreicht und nun war klar: Um 10 Uhr stehen wir auf dem Gipfel, denn diese 1 1/2 Stunden schaffen wir auch! Denkste! Bilder 8 und 9 sagen eigentlich alles! Es herrschte Massenansturm! Man erreicht zwar noch völlig problemlos das Glocknerleitl (das auf Bild 9 erkennbare Firn-/Eisfeld, das zum Grat des Kleinglockners zieht und den Aufstieg vermittelt), aber dort war Schluss. Dieser Bereich bestand aus erheblichen Blankeisanteilen und konnte nur gesichert durchstiegen werden. | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
Das wäre nun grundsätzlich kein Problem gewesen, die Ausrüstung dafür war am Mann - aber rankommen, das ging einfach nicht. Und anstatt um 10 Uhr auf dem Gipfel zu sein, standen wir um 10 Uhr immer noch am Fuße des Glocknerleitl. Und gegen 12 Uhr hatten wir es erst bis etwa 10 hm unter den Grat geschafft!. Zu den Bildern 10 bis 12 ist nur soviel zu sagen: Das Wetter wurde immer schlechter, die ersten Seilschaften begannen den Abstieg. Ein Vorwärtskommen war nun gar nicht mehr möglich, teilweise seilten vier Seilschaften nebeneinander ab. Erst gegen 14 Uhr gelang es uns, selbst eine Abseilpiste zu eröffnen und ich begann, meine drei Seilpartner Person für Person mühevoll wieder abzulassen. (Bild 13) Übrigens: Kenner der Materie sollten sich Bild 12 mal ganz genau ansehen, ein Meisterfoto von Marion! Fehlerhafter kann Seilarbeit kaum sein! Das war aber leider nicht nur an dieser Stelle so üblich, alles gipfelte darin, dass Selbstsicherungen meiner Teamgefährten durch Fremde ausgeklinkt worden sind bzw. sie sich einfach mit eingeklinkt haben! Aber wir haben es geschafft, und auf Bild 14 stehen Hans-Torsten und Marion, inzwischen in Winterkleidung, da Schneefall eingesetzt hatte, an einem Standplatz an einer Spalte. Wenig später saßen wir gemeinsam mit Joachim Weiland aus München, den wir im Glocknerleitl in unser Team aufgenommen und mit abgeseilt hatten, in der Erzherzog-Johann-Hütte beim verdienten Bier. (Bild 15) Es folgte schließlich der Abstieg auf der Zustiegsroute (Bild 16), "Abrüsten" am Fuße des Gletschers (Bild 17) und letzten Endes war auch die Stüdlhütte wieder sicher erreicht worden. (Bild 18) |
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In der Zeitschrift "Alpin 9/2003" war ein Beitrag zum Großglockner wie folgt überschrieben worden: "Ein Gipfel zwischen Traum und Albtraum". Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Wenigstens war uns erspart geblieben (anders hingegen einigen anderen Bergsteigern, die wie wir den Rückzug angetreten hatten) die Glocknerscharte zu erreichen. Denn da oben sei gar nichts mehr gegangen: zu eng und vor allem: zu viele ungeübte Personen, die von (aus meiner Sicht unverantwortlichen) Bergführern im Toperope (!!!!) auf die Platte, über die man die Scharte zum Gipfel verlassen musste, gesichert worden sind. |
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