Eine Tourenplanung aus dem Jahre 2007, damals mangels Gelegenheit
für eine gemeinsame Tour gescheitert, war schnell ausgegraben,
abgespeckt und sah dann so aus:
Anreise
in der Nacht zum Freitag, am Freitag die Alte Westwand am Kleinen
Watzmann, am Samstag die Watzmann-Überschreitung, am Sonntag
Rückmarsch zum Parkplatz und Heimfahrt.
Aber dann wieder: das Wetter! Während für Samstag und Sonntag eine
gute Wetterlage angekündigt worden war, sollte der Freitag verregnet
sein und die Schneefallgrenze im Zielgebiet bis auf 2000m fallen.
Die Scharlatanerie-Wetterberichte hatten den Freitag allerdings
besser ausgemalt: ab Mittag Wetterbesserung und sonnige Abschnitte.
Also den Watzmann „links rum", denn wenn wir den Aufstieg über den
Abstieg machen, wären wir gegen 13 Uhr auf der Südspitze und könnten
dann bei strahlender Sonne am Freitag über den Grat marschieren. Am
Samstag wäre dann der Kleine Watzmann an der Reihe.
Als
wir am Freitag gegen 9:30 Uhr nach zwei Wanderstunden und 700 hm in
1330 m auf der Wimbachgrieshütte saßen, goss es in Strömen! Der
Warnung der Hüttenwirte, dass unser Vorhaben heute zu gefährlich
sei, hätte es nicht mehr bedurft. Während bei Wetter.com wohl noch
immer die Nachmittagssonne grinste, machte das Wetter hier, wozu es
Lust hatte. Wir aber marschierten die ca. 9 km unter Verlust der
gewonnen Höhe wieder hinab zum Parkplatz um von dort zum
Watzmannhaus aufzusteigen — in der Hoffnung, dass das Unternehmen am
folgenden Tage von dort aus glücken könnte. Jedenfalls lagen am
Freitagabend weder der Kleine Watzmann noch die
Watzmann-Überschreitung, dafür aber 22 km Wanderung mit 2000 m im
Aufstieg und 700 m im Abstieg hinter uns. Aua! Aber dann: am
Samstagmorgen tiefes Aufatmen! Sonne, Sicht, traumhafte Wolkenbilder
- der Watzmann rief! Mit dem wohltuenden Gefühl, die
Massenabfertigung des Watzmannhauses überstanden zu haben, begannen
wir vier den Aufstieg zum Hocheck, dem ersten der drei Gipfel des
Großen Watzmanns, der ersten echten Etappe der Überschreitung. Die
Ernüchterung kam schnell! Nein, nicht die vom Bier des Vorabends,
die von der Hoffnung idealer Tourenbedingungen! Denn ab ca. 2400 m
war der Fels zunehmend vereist, Selbst wir erfahrenen Berggeher
mussten äußerste Vorsicht walten lassen, für
Siggi Harms, der immerhin schon Hochgebirgserfahrung mit Volker
gesammelt hatte, war es ein Tanz auf rohen Eiern. Kein Wunder also,
dass Volker in seiner Verantwortung für ein Familienmitglied fast
das Herz stehen geblieben war und nach dem ersten Blick auf den
teilweise vereisten Grat seine klare Entscheidung hieß: Wir nicht,
das schafft Siggi nie! Wir gehen wieder runter, macht ihr das Ding
alleine! Es gab kurze Nachfragen, aber keine Überredungsversuche!
Volker: meine Hochachtung für diese Entscheidung, wir alle wissen,
wie weh es tut, an so einer Stelle umkehren zu müssen! Wir holen das
nach, versprochen!
Während also Volker und Siggi zurück stiegen - übrigens war selbst
das ein äußerst heikles Unternehmen dass mehrere Stunden in Anspruch
genommen hat - machten wir uns mit Torsten im Gegenverkehr derer,
die ihren Versuch der Überschreitung aufgegeben hatten, auf dem Weg,
dieses Sahnestück alpiner Unternehmen so richtig zu verkosten.
Zwar machte auch uns das Eis etwas zu schaffen, aber alles war im (gelb)grünen
Bereich geblieben. Nach guten drei Stunden waren wir auf der
Südspitze des Watzmanns und damit am Ziel dieses Traumes. Nur
nicht am Ziel der Tour! Man
muss auch wieder runter! Der Abstieg von der Südspitze ist und
bleibt ein hartes Stück Arbeit und erst nach weiteren fast vier
Stunden, ich selbst habe Tribut für das hohe Tempo des Vortages
zahlen müssen, haben wir die Wimbachgrieshütte erreicht. Doch
noch immer nicht Schluss. Denn natürlich wollten wir den Abend mit
Volker und Siggi verbringen, und so ging es nach einem schnellen
Bier auch noch die restlichen neun Kilometer zurück zum Auto ...
Das waren dann 18 km mit etwa 1000 m im Auf- und 2100 m im Abstieg!
Doppeltes und dreifaches Aua!
Irgendwann werden meine Füße aber wieder verheilt sein. Was ganz
sicher bleiben wird, ist eine Erinnerung an ein großartiges
Wochenende in einem starken Team, mit einem mutigen Siggi, einem
Volker mit klarem Verstand und großem Herz und einem Torsten als
einem angenehmen "Reisepartner" auf eisigen Wegen. Und bleiben
wird auch die Hoffnung, nein, die Überzeugung, eines Tages wieder
dort oben zu stehen, auf diesem einfach herausragendem Berg - dem
Watzmann!
zu Volkers Bericht

Diesem Bericht wird eine umfassende Überarbeitung des
bisherigen Berichtes „Watzmann-Überschreitung" folgen.
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