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KILL50 StirnlampenlaufGeKILLt vom KILL – trotz der dankeswerten Gnade des Sensenmannes

Die Aufgabe des Veranstalters klingt zunächst einfach: Du läufst 50 Meilen (etwas mehr als 80 km) und bist danach fette stolz auf Dich! Dann aber kommen die Details: gelaufen wird im November (macht nichts), Laufgebiet sind das Alfelder und Hildesheimer Bergland, Startzeit ist 17 Uhr (was, ein Nachtlauf?) und als Krönung: gelaufen wird nach topographischer Karte! Damit war ich blindes Huhn raus, denn das ist für mich alles andere als machbar, das ist kein idyllischer Landschaftslauf – KILL eben!
Am Rande des grandiosen Schneewittchentrails im März 2016, die Ausrichter sind die gleichen, relativierte sich jedoch einiges: es gäbe auch einen GPS-Track und zudem seinen zahlreiche Reflektoren vor allem in den Waldpassagen angebracht. Das wiederum schien – für mich mit dem gehörigen Respekt vor der Nacht – durchaus machbar, bald hatte ich eine Einladung und dann war dieser Moment da, der 5. November 2016, 17 Uhr, Wernershöhe Westfeld.
Mit Gleichgesinnten stand ich am Start des KILL – Kein Idyllischer LandschaftsLauf – vom Veranstalter mit einer Erkennungsmarke statt Startnummer versehen und unter dem optischen Eindruck von KILL-Bill, einem Skelett, an dem die abgebrochenen Erkennungsmarkern derer hingen, die dieser Herausforderung nicht gewachsen waren. Es war kühl, wegen des Regens der Vortage sehr feucht und diesig. Kurz vor dem Start war nochmals ein heftiger Regenschauer niedergegangen.

KILL50 Vorabend in Alfeld an der Leine  KILL50 meine Erkennungsamarke  KILL50 Almuth mit KILL Bill  KILL50 vor dem Start

KILL50 Start an der Kulturherberge  KILL50 Kein idyllischer Landschaftslauf  KILL50 mit Stirnlampen durch die NAcht  KILL50 in den Hildesheimer Bergen

Dann ging es los. Bereits der Abstieg von der Wernershöhe über einen rutschigen zugewachsenen Pfad verlangte vollste Aufmerksamkeit, die nur wenig später eingesetzte Dunkelheit immer einen klaren Blick. Schon nach ein paar Kilometern – es geht gutmütig auf Wirtschaftswegen hinüber in die Hildesheimer Berge, mein erster Verhauer. Zurück auf die Strecke hänge ich mich jetzt an einen anderen Läufer, der für mich etwas zügig, aber nicht zu schnell war. Wenig später sind wir zu dritt und in den Bergen unterwegs, mein Horror beginnt. Es ist teilweise extrem matschig, rutschig, uneben. Ohne meine Trailstöcke wäre ich längst gestürzt. Die beiden hirschen rasend schnell die Pfade hinunter – wie machen die das bloß? Ich bin vorsichtiger, verliere sie immer wieder aus dem Blick. Bergauf hole ich sie wieder ein, ein zermürbendes Spiel. Bei km 18, endlich werden die Wege wieder besser, ist der eine nach vorn, der andere nach hinten weg.
Ab jetzt bin ich allein, sehe niemanden mehr, nur hin und wieder auf den großen Freiflächen vor oder hinter mir die Lichter der Stirnlampen. Es geht einsam durch die Nacht, immer die Reflektoren suchend oder den Track auf dem Gerät im Auge habend. Es läuft überraschend gut, nur der gelegentliche Nebel macht mir immer wieder zu schaffen. Man sieht mit Lampe nichts, ohne Lampe gar nichts!

KILL VP nach 30 km  KILL50 nach Runde 1 auf der Wernershöhe  KILL50 ich gebe auf  KILL50 aufgegeben aber glücklich

Obwohl ich körperlich absolut fit bin, beschließe ich, am VP bei km 31, den ich erst nach 4 Std. 25 min erreiche, aufzugeben. Das alles hat keinen Zweck, ich habe mich überschätzt, ohne „Blindenhund“ geht hier nichts!!!

Susanne, die hier den VP in einer eiskalten Bushaltestelle managt, und Almuth, die auch in der Nacht immer mal wieder aufmunternd vor Ort sein wollte, überzeugen mich: jetzt, in den Sieben Bergen, wären die Wege besser, die Cut-Off-Zeit, 8 Stunden nach ca. 54 km, würde ich schon schaffen.

Tatsächlich geht es auf guten wenn auch steilen Wegen weiter auf und ab. Kurze Trailpassagen sind unangenehm, aber überschaubar. Es sieht gut aus, Bergabpassagen trabe ich, es macht sogar Spaß.

erkennungsmarke abgebrochenEs ist etwa 0:30 Uhr, es kann nicht mehr weit bis zum Start-/Zielbereich sein, ich könnte es also schaffen, auf die zweite Runde zu gehen, dachte ich. Der Blick auf mein GPS-Gerät lässt mir allerdings den Atem stillstehen: ich bin nicht mehr auf dem Track! Im Rausche des Bergablaufes habe ich eine Markierung übersehen, war gut 400 m zu weit und viel zu tief. Und warum zum Teufel war es so dunkel?! Die Akkus meiner angeblich 40 Stunden brennenden Stirnlampe hatten nach knapp acht Stunden den Geist aufgegeben. Rucksack ab, Stirnlampe gewechselt, wieder der Blick auf die Karte. Es half nichts, ich musste zurück! Mühevoll ging es wieder bergauf.

Am verpassten Abzweig endlich andere Läufer, ein Pärchen aus den USA. Oje, die waren ganz schön erschöpft, bei ihnen konnte ich nicht bleiben, ich hatte immer noch den Cut Off vor Augen und beschleunigte.

Und dann, das Ziel vor Augen, wieder eine schlammige rutschige und der Länge wegen zeitraubende Trailpassage!
Es war kurz vor 1 Uhr! Dann soll es eben so sein, VORBEI!

Gegen 1:20 Uhr kam ich in der Kulturherbege, noch lange nicht als letzter, an. Hier erklärte Michael, „Sensenmann“ des KILL, dass ich noch weiter könne, er würde bis 2 Uhr alle durchlassen. Aber meine Entscheidung war vorher gefallen, mein Kopf war für die zweite Runde nicht mehr frei. Meine Erkennungsmarke brach knirschend durch, eine Hälfte bleibt beim „Verstorbenen“, die andere reiht sich in die Garde derer ein, die KILL Bill zieren.

(Das amerikanische Pärchen ist übrigens um Punkt 2 Uhr in die zweite Runde gestartet und hat tatsächlich nach mehr als sechs weiteren Stunden für die „restlichen“ 27 km das Ziel erreicht – alle Achtung!)

Mein aufgezeichneter Track der gelaufenen ersten Runde:

Fazit:
Ein verrücktes, aber tolles Laufevent, auf das ich mit einem guten Gefühl zurück blicke. Es war ein „Kopfaus“, kein körperliches. Im Gegenteil, ich war gefühlt überraschend gut unterwegs, nach der langen lauffreien Sommerpause bin ich zurück im Ultralauf, ein schönes Gefühl.

Und was KILL Bill betrifft: ja, er hat mich, DIESMAL!
Annonce: „Blindenhund“ für 2017 gesucht, 80 km, 2000 hm, Zielzeit ca. 13 – 14 Stunden!

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