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rennsteig-nonstop am Rondell bei Oberhofrennsteig-nonstop 2018 - diesen Weg auf den Höhn bin ich oft gegangen ...

Die Geschichte dieses Ultralaufes beginnt bereits 2013. Damals, bei meinem ersten extremen Lauf dieser Art, war ich nach 135 km auf dem Großen Inselsberg vorzeitig ausgeschieden. Mit der Erfahrung von heute und einigen extrem harten Ultraläufen danach würde ich das nicht mehr tun. Es war also an der Zeit, das Kapitel rennsteig-nonstop endlich erfolgreich zu beenden …

Aber die Zeichen standen eher schlecht. Der heiße Sommer hat, wie bei vielen anderen auch, mein Training ausgebremst und meinen Kopf bekomme ich gegenwärtig nur sehr schwer in den Griff. Aber gar nicht erst antreten? Nein, dann bleiben nur Zweifel zurück, ob es vielleicht doch geklappt hätte – wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Pünktlich um 18 Uhr des 31.08.2018 fiel für 83 Ultraläufer/innen (54 werden das Ziel erreichen) am Beginn des Rennsteiges an der Selbitzbrücke in Blankenstein der Startschuss für den Lauf über 168,3 km mit mehr als 3000 hm, Zeitlimit: 29 Stunden. Und ich war dabei, begleitet von meiner Partnerin Almuth, die schon im Vorfeld unmissverständlich „angedroht“ hatte: diesmal wird ordentlich gegessen und getrunken!

Ich kam überraschend gut in mein persönliches Rennen. Bald war VP 1 bei km 21 erreicht, ebenso zügig mit einem Schnitt von nicht ganz 8 km/h VP 2 bei km 39. Schon hier hatte sich der Wert Almuths gezeigt - jaja, sie ist auch sonst wertvoll, ich meine doch hier in Bezug auf den Lauf ;) – denn auch zwischen den VPs, etwa alle 10 km, stand sie an der Strecke, kontrollierte peinlich genau die Trinkmengen und tauschte blitzschnell Trinkflaschen und zusätzliche Nahrung aus.
Dieser Lauf war dadurch im Ergebnis der erste Ultralauf dieser Länge, bei dem ich weder Durst noch Hunger hatte, ich hatte keinerlei Magenprobleme oder Würgereize – das alles gehört also doch nicht zwingend dazu ;)

rennsteig-nonstop Selbitzbrücke Rennsteigbeginn rennsteig-nonstop Stein zur Werra tragen rennsteig-nonstop Teilnehmer aus Brandenburg rennsteig-nonstop Stephan Marschallek Aldo Bergmann

rennsteig-nonstop Start in Blankenstein rennsteig-nonstop Schlegl rennsteig-nonstop Brennersgrün rennsteig-nonstop Brennersgrün Verpflegungspunkt

Aber ein anderes recht böses und unerwartetes Problem hatte sich bis km 39 gezeigt: mir waren, warum auch immer, die Schuhe zu kurz geworden! Schuhwechsel war also angesagt, von meinem geliebten Salomon auf einen eher umstrittenen Hoka. Ohne Trailrunningschuh, er war der einzige Ersatz, den ich dafür hatte, wäre das kommende schwere Stück bis hinter Masserberg, erst dann wird der Untergrund leichter, kaum machbar.
Im Nachhinein frage ich mich, was besser gewesen wäre: blutende Zehen oder das, was jetzt kam. Denn meine Füße nahmen mit jedem Kilometer mehr die Form eines Michelin-Männchens an.

Am VP 3, km 57 bei Limbach, hier war ich wie geplant nach etwa acht Stunde eingetroffen, ging es zwar noch halbwegs, aber dann…
Inzwischen war es auch klirrend kalt, jetzt mussten Mütze und Jacke, teilweise sogar Handschuhe raus. Aber es ging weiter, und trotz der Blasen richtig gut.
Erfreulicherweise stieß wenig später Stephan Marschalleck zu mir und gemeinsam zogen wir durch die kühle Nacht. In Masserberg wieder der private Verpflegungscheck, dann der gefürchtete Hohlweg zur Triniusbaude – aber alles gut!

(Ein Einwurf am Rande: fast alles gut! Ich bin mit Leib und Seele Läufer und würde nie auf die Idee kommen, auch nur einen Meter abzukürzen. Damit wäre das Ziel zu erreichen für mich kein Erfolg mehr! Diesen Glauben hatte ich auch in andere Ultraläufer! Aber denkste! Das sehr schwere Stück von Masserberg zur Triniusbaude haben gleich 4 Läufer, zwei habe ich persönlich kommen sehen, diese beiden und zwei weitere hat Almuth mit dem PKW überholt, auf der deutlich kürzeren und leichteren Landstraße umlaufen. Falls ihr das hier lest: ich schwärze keinen an, aber ihr solltet euch schämen! Fahrt zu 10-km-Straßenläufen und nehmt eure Füße von Herausforderungen, denen ihr ehrlich nicht gewachsen seid!)

rennsteig-nonstop Kalte Küche am Rennsteig rennsteig-nonstop Limbach Verpflegungspunkt rennsteig-nonstop Dreiherrenstein Verpflegungspunkt rennsteig-nonstop Allzunah

Noch in Neustadt am Rennsteig, es lagen gut 80 km hinter mir, war ich mit etwa 7 km/h und damit mehr als gut unterwegs.
Dann aber war plötzlich Schluss! Die Luft, die inzwischen reichlich in meinen Füßen war, war im Übrigen raus. Schleppend erreichte ich VP4 bei km 83, den Dreiherrenstein, inzwischen waren nur noch 6°C, bin rechtzeitig vor der Cut-Off-Zeit wieder gestartet – aber habe einfach nicht mehr regeneriert. Auch 10 min Powernapping, Almuth hatte mich wenig später „aufgelauert“ und ins Auto „gezwungen“, halfen nicht.

Bei ca. km 95 am Mordfleck war ich echt verzweifelt, hatte im Kopf schon lange aufgegeben, trotzdem ging es weiter, humpelnd, tippelnd, die Blasen sollten erst mit dem vorgesehenen Wechsel auf einen leichten Schuh in Oberhof geöffnet werden.
Doch am VP 5, den Grenzadler bei Oberhof, kam ich nur noch im Auto an – denn nach 17:33 Std und etwa 105 km auf der Uhr, kurz vor dem Rondell, fiel auf einem Rennsteig-Grenzstein sitzend die Entscheidung – Aus! Der Berg vorm Grenzadler war in meinem Kopf zu hoch, das Ziel hinter diesem Berg viel zu weit weg.

rennsteig-nonstop Ankunft am Mordfleck rennsteig-nonstop ich bin erschöpft rennsteig-nonstop Ultralauf auf dem Rennsteig rennsteig-nonstop Ankunft am Rondell

rennsteig-nonstop Aufgeben kurz vor dem Rondell rennsteig-nonstop Abmeldung am Grenzadler bei Oberhof rennsteig-nonstop Blick aus dem Hotel Panorama rennsteig-nonstop Cafe Cortina Oberhof

Nachdem ich mich am Grenzadler aus dem Rennen abgemeldet hatte, ging dank flinker Internetdienste alles recht schnell: Hotelzimmer im Panorama-Hotel (herrlich, endlich mal im Sandmännchen-Hotel schlafen), etwas Schlaf, Shopping bei Sport-Luck, lecker Eis im Café Cortina und Abendessen im Kauzeneck in Oberhof!
Vor einem extrem tiefen Schlaf grüßten uns die über dem Rennsteig untergehende Sonne und der Große Inselsberg in der Ferne. Diesmal war sogar der zu weit weg, um nur noch runter ins Ziel zu laufen.

Was bleibt unterm Strich?
Zunächst natürlich ein großartiges Laufabenteuer, für dessen Organisation und liebevoller Durchführung man Gunter Rothe und seinem tollen Team von Lauffeuer Fröttstädt e.V. nicht genug danken kann. Bitte macht weiter!

Dazu kommt die Erkenntnis, dass die Art und Weise der Betreuung an der Strecke, wie sie durch Almuth trotz gelegentlichen Meckerns und Murrens meinerseits konsequent durchgezogen worden ist, einige doch sehr unschöne Begleiterscheinungen des Ultralaufens einfach mal ausgeschaltet  hat – dafür kann ich Dir nur von Herzen danken, überhaupt für Deine besonnene Art, mich auf den Beinen und im Rennen zu halten – und es bleibt natürlich eines:
Die Herausforderung rennsteig-nonstop ist weiterhin offen!

Der Stein, den ich traditionell vor dem Start aus der Selbitz genommen habe, wartet wie ich auf die hoffentlich nächste Auflage, wir haben ein gemeinsames Ziel – Hörschel an der Werra!

Renndirektor und Organisator Gunter Rothe kurz vor dem Start beim Briefing der Teilnehmerrennsteig-nonstop Briefing der Teilnehmer in Blankenstein

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