Tour 07/2026 – Eine Geschichte vom Bestiegen und Gezogen werden
Nein, das Titelfoto ist natürlich nicht echt. Dass Klettern in diesem Zustand alles andere als vernünftig, vielmehr verantwortungslos und verrückt wäre, versteht sich von selbst.
Verrückt war dieses letzte Juniwochenende, mit 41,8 °C das wärmste in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, aber allemal. Weniger wegen der Temperaturen, eher wegen des einmal mehr greifenden Mottos: Unverhofft kommt oft!
Trotz der angekündigten Hitzewelle waren wir, Almuth hatte auf meine Einwände gegen diese Fahrt angesichts der sehr kühlen jackefordernden Nächte im Kirnitzschtal Recht behalten, dass das schon gehen werde, zur traditionellen Buschmühlenfilmnacht angereist.
Und während Almuth die Füße im Mühlgraben kühlend im Tale zurückgeblieben war, zogen wir mit Freunden sogar zum Klettern los. Klar würde der Zustieg angesichts der Hitze alles andere als angenehm sein, aber mit der Ostverschneidung am Wintersteinwächter hatte ich eine Tour ausgesucht, die nordseitig liegt und damit irgendwie gehen würde.
Die Ostverschneidung am Wintersteinwächter
Ging sie aber nicht, und das lag nicht an der Hitze! Ich kenne die Route, lang, fast alpin, für III an einer Stelle eindeutig zu niedrig bewertet, aber hatte sie 2005 schon im Vorstieg geschafft.
Heute aber hing ich in ca. 20m Höhe an der Schlüsselstelle fest, erinnerte mein Scheitern von 2015 genau hier und fand, auch nach fast einer Stunde alles Mögliche probierend, keine Lösung. Naja, nicht ganz, denn eine unkonventionelle schon: nach kurzer Absprache baute ich einen sicheren Standplatz, so dass ich Katrin nachsichern und sie über mich kletternd diese Schlüsselstelle übersteigen lassen konnte. So wurde ich also hoch in der Wand von einer anderen Frau bestiegen, das Problem war gemeistert und auch das Problem, das sie dann unerwartet hatte, sie kam lange nicht mit dem Gipfelausstieg zurecht, löste sich glücklich auf und nach einer selten abenteuerlichen Bergfahrt saßen wir glücklich auf dem Gipfel.
Etwas später als gedacht, jedoch noch rechtzeitig, erreichten wir die Buschmühle und konnten eine wunderschöne Filmnacht genießen. Was für ein Tag!
Aber es sollte unerwartet noch krasser kommen!
Denn am folgenden Morgen, nach dem Frühstück noch gemütlich sitzend, ich selbst mit mir hadernd, ob ich angesichts der Wärme die geplante 10-km-Joggingrunde starte, standen plötzlich Ulf und Katharina vor mir und fragten, ob ich auf eine kurze Klettertour mitkommen wolle. Na, das war doch was!
Überraschungs-Gipfel: Der Monolith
Als dann das Ziel feststand, der nur wenige Gehminuten entfernte Monolith, ein wegen seiner Schwierigkeiten erst gar nicht in meinem Blickfeld liegender Gipfel, wurde mir schon etwas mulmig, als ich ihn dann sah, war mir sofort klar: das ist nicht meine Leistungsklasse! Da half auch der bewährte Spruch, „Im Nachstieg ist alles III“, nicht.
Tatsächlich habe ich den nur bei absoluter Trockenheit kletterbaren Gipfel durch die grüne moosige Nordwand, VIIa, erreicht, das aber nur dank der sehr aktiven Hilfe von oben – naja, nicht umsonst heißt der Beitrag: Eine Geschichte vom Bestiegen und Gezogen werden!
Trotzdem ein tolles Erlebnis, danke für‘s Mitnehmen!

