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watzmann introWatzmann-Ostwand - Südspitze (2712 m)
Berchtesgadener Weg III+

Der Mythos, fast 2000m hoch. Schauplatz hehrer Erfolge und tragischer Unfälle. Die Ostwand des Watzmann hat in den Ostalpen kein Gegenstück. Sie erfordert keine extreme Kletterei. Sie verlangt den "ganzen" Bergsteiger. (Margarete Botzian, Berge Nr. 2/2005)

Wer auf Berge steigt, egal ob Kletterer oder Bergwanderer, hat entweder schon vom Watzmann gehört oder wird früher oder später auf ihn  stoßen. Den Bergsteiger zieht besonders die Ostwand, die mit ca. 1800m Wandhöhe eine der höchsten Felswände der Ostalpen ist, an.

deutsche flaggeLange war diese Wand unbestiegen. Heute führen einige interessante immer ausgesetzte nicht zu unterschätzende Routen durch sie hinauf zur 2712m hohen Südspitze.
Hier berichten wir über die Durchsteigung der Ostwand über den Berchtesgadener Weg, mit  III+  die leichteste Führe. Aber Vorsicht! "Leicht" ist relativ. Man muss, um zügig zu sein, weite mitunter extrem ausgesetzte Strecken frei klettern und vor allem muss man die Führe erst einmal finden. Wer in so einer großen Wand noch nie unterwegs war, wird von ihren Dimensionen regelrecht erschlagen!

Ausgangspunkt:
Schiffabfahrtsstelle Berchtesgaden/Königssee, übersetzen nach St. Bartholomä, von dort Aufstieg entlang des Eisgrabens zur Eiskapelle. Gehzeit maximal 1 Std.
Es empfiehlt sich die Anreise mit dem letzten Schiff des Tages und sodann eine Übernachtung im Ostwandlager in St. Bartholomä. Man geht dann ca. 1 Std. vor Sonnenaufgang  zum Einstieg und kann mit dem ersten Licht des Tages den Aufstieg beginnen.

Aufstieg:
Wir versuchen, mit dem Bildbericht einige markante Punkte zu beschreiben, mehr ist nicht möglich. Deswegen: unbedingt den unten genannten Auswahlführer benutzen! Höhendifferenz ca. 1800m, Kletterstrecke ca. 3000m, Kletterzeit: zwischen 6 und 8 Stunden bei normalen Verhältnissen.

Abstieg:
Über den Südgrat ins Wimbachgries ca. 2 1/2 Stunden (heikel) oder über den Watzmanngrat zum Watzmannhaus mindestens 3 Std. (anstrengend)

Literatur:
"Watzmann-Ostwand", Franz Rasp, Auswahlführer, Bergverlag Rother - München, ISBN 3-7633-4141-2,
Alpenvereinsführer "Berchtesgadener Land", Bergverlag Rother - München, ISBN 3-7633-1127-0,

Karte: Kompass, Wander- und  Radtourenkarte  794, Berchtesgadener Land,  ISBN 3-85491-598-5

Nach einem ersten Anlauf am 01.09.2001, der wegen schlechten Wetters regelrecht ins Wasser gefallen war, sind am 13./14.10.2001 Aldo Bergmann, Matthias Böhlke und Axel Bricks, und am 31.07.2004 Thomas Herrmann, Michel Maulbrich, Steffen Große und abermals Aldo Bergmann über den Berchtesgadener Weg durch die Ostwand gestiegen.
Während beide Begehungen spannende Unternehmen waren, war gerade die Tour vom Oktober 2001 recht abenteuerlich. Es gab einfach zu viele kleine aber feine Fehler. (Lies unten im Anschluss an diesen Bericht, wenn Dich unsere Fehleranalyse interessiert) Aus denen hatten wir dann aber im Sommer 2004 gelernt. Hier nun ein kleiner Bildbericht:

(Die Bilder stammen von beiden Touren, das Tourjahr ist jeweils dem Titel vorangestellt.)
Wenn man die Eiskapelle erreicht, zieht unmittelbar links daneben deutlich erkennbar eine Art Sporn mit ausgetretenem Pfad aufwärts. Dem folgt man durch Latschen teilweise steil aufwärts. (Bild 3) Dann schon das erste Mal Achtung! Sobald man nach rechts in die von der Eiskapelle hinaufziehende Rinne treten könnte, nicht mehr der verlockenden Rinne aufwärts folgen, sondern nach rechts in die Schrofenwand queren.

Berchtesgardener Weg -  er zieht durch die gewaltige Ostwand des Watzmann Watzmann Ostwand die ganz ganz gro0be Übersicht 2004 - Zustieg über Schrofen und durch Latschen - noch in der morgendlichen Dämmerung 2001 - Das erste unangenehme Stück: abdrängende Platten 2004 - Im Schuttkar, danach geht es erst richtig los! Watzmann Ostwand die grobe Führe nach dem Schuttkar

Nun kann man vorerst nichts mehr falsch machen, wenn man dem deutlich erkennbaren Pfad folgt. Trotzdem Vorsicht: das Gelände ist steil, rutschig und stellenweise geht es über unangenehm schräge abdrängende glatte Platten (Bild 4). Recht zügig ist das Schuttkar (Bild 5) erreicht, in dem sich eine gute Wasserstelle befindet. (2001 die einzige für zwei Tage !!!) Aber hier auf keinen Fall verweilen - Steinschlaggefahr!!! Jetzt ist wieder Vorsicht geboten, denn man quert nun durch die Geröllhalden des Schuttkars in die eigentliche Ostwand und muss den richtigen Ausstieg finden.  Bild 7 vermittelt einen Eindruck des Ausstieges aus dem Schuttkar auf den ersten Sporn, Bilder 8 un 9 dann schon die Querung zur ersten Schlüsselstelle, der Platte an der Wasserfallwand, III. Zwischen diesen beiden Fotos liegt allerdings noch ein Aufstieg auf gut erkennbarem Pfad über die Sporne, der mit gutem Augenmaß eigentlich  nicht zu verfehlen ist.

2001 - teilweise sehr ausgesetzte Querung an der Platte vor der Wasserfallwand Abermals die Querung der Platte, im Hintergrund die Wasserfallwand 2004 - Thomas steigt die 60-m-Platte vor der Wasserfallwand 2004 - Rast nach der Platte, danach geht es in die von unten deutlich erkennbare schräge Rampe

Bild 10: Auch das gehört bei solch einer Tour unbedingt dazu: Rast! Hier nach der Platte vor dem Einstieg in die Rampe. Und dieser Einstieg ist eigentlich nicht zu verfehlen. Da es wegen Versteiger an dieser Stelle viele tödliche Unfälle gegeben hat, weist ein riesiger Pfeil darauf hin, in welche Richtung man sich zu bewegen hat. (Steht man im Tal vor der Wand, erkennt man links oben drei große nach rechts aufwärts ziehende Rampen. Durch die mittlere davon führt der Aufstieg.) Und dieser Aufstieg ist eine schöne sichere Kamin- und Rinnenkletterei. (Bild 11)
Man folgt dieser Rinne, bis sie immer schwerer wird, dann aber auch nach rechts verlassen werden kann. Nun muss man einige Meter rechts queren, anschließend über eine Art Rippe ausgesetzt aufsteigen, und sodann nach links zurück queren. Man erkennt dann schon deutlich die Biwaklöcher, ein weiterer guter Rastplatz. Neben den Biwaklöchern geht es dann die Steile Wand im III. Grad aufwärts. (Bild 12 und 13)

2004 - Auf der gut zu kletternden und teilweise fast entspannenden Rampe 2004 - Pause und Fotoshooting in den Biwaklöchern 2004 - Der steile sehr ausgesetzte Anstieg nach den Biwaklöchern 2004 - in der plötzlich recht merkwürdigen Gipfelschlucht ...

Nach dieser Steilstelle rechts schräg aufwärts aus der Rampe raus und man erreicht die so genannte Gipfelschlucht, die aber mit dem Gipfel nichts zu tun hat. Hier wieder Vorsicht, wir haben bei beiden Touren ordentliche Versteiger hingelegt: man muss diese Gipfelschlucht alsbald nach rechts durchqueren und dann an der rechten Begrenzung ersteigen. (Bild 14 - spätestens hier muss man rechts raus, wir sind geradeaus gestiegen. Wer es drauf hat kann es wagen: es besteht plötzlich alles nur noch aus Reibung. Rechts dagegen gibt es gut griffige Rinnen und Wandteile!) Irgendwann trifft man auf die berühmten Bänder des Watzmann, die an Autobahnen erinnern. Hier in Steigrichtung einfach rechts über Geröll aussteigen (Bild 15 - Steinmänner) und über Schrofen (teilweise grüne Punkte als Markierung) zur Biwakschachtel. (Bild 16)
Die Biwakschachtel lässt man links liegen (auch wegen des Uringeruchs!) und steigt  zunächst leicht rechts, dann wieder links haltend zu den nun deutlich sichtbaren so genannten Ausstiegskaminen (Bild 17 2001 sind wir diesen Bereich im Firn gesichert gegangen.

2004 - Irgendwann dann ist endlich die Biwakschachtel in Sicht! Unser Eintrag in das Buch der Biwakschachtel 2001 - Die schon von weiten deutlich erkennbaren Ausstiegskamine. 2001 -  - In den Ausstiegskaminen, die mit Kaminen in unserem Verständnis nichts zu tun haben.

Das ist aber im Prinzip nicht nötig. Anders sieht es dann in den Kaminen, die mit Kaminen im Sinne des sächsischen Kletterns nichts zu tun haben, aus. Hier geht es recht kleingriffig (III) aufwärts. Da tut ein Seil der Seele und den schon schwindenden Kräften gut! (Bild 18)
Dann ist es fast geschafft. Na ja, bis auf die Schlüsselstelle der gesamten Tour. Zunächst geht es aber durch eine breite Rinne in logischer Linie aufwärts bis zu einem Gratabsatz.

Das Problem dieser Rinne ist auf Bild 21 deutlich zu erkennen. Vorsicht ist bei diesen Geröllmassen geboten, die Kletterer weiter unten werden einem dankbar sein! Dann steht man vor einem ca. 15m hohen Steilaufschwung, an dem die Route durch eine Fixschlinge vorgegeben ist (III+) Beherztes sicheres Greifen und Treten lösen aber auch dieses Problem. (Bilder 22 und 23)

2011 - Axel sichert hier am Ende der Ausstiegskamine 2001 - Sicherung im Firn, war eigentlich unnötig. 2004 - In der eigentlich gut zu steigenden Rinne - aber: Geröll, Geröll, Geröll ... 2004 - die scherste Stelle der Tour, eine 15 m senkrechte Wand III+ 2001 - Axel oberhalb der 15-m-Wand, dort ist es geschafft

2004 - Thomas und Michel wenige Meter vor Erreichen des Watzmanngrats 2001 - Auf dem Gipfel der Südspitze 2004 - Auf dem Gipfel der Südspitze Watzmanngrat - nch beiden Touren sind wir zum Watzmannhaus abgestiegen

Nach diesem steilen Wandl steigt man gerade durch einen anschließenden Kamin und erreicht in wenigen Minuten den Watzmanngrat, dem man noch ca. 50m bis zum Gipfel der Südspitze folgt.

Oben: Die letzten Meter der Schlussrinne. Die Sonne strahlt schon über die Gratschneide- GESCHAFFT! (Bild 24 ff.)

Für den Abstieg gibt es zwei Möglichkeiten: von der Südspitze verdammt steil und teilweise selbst bei Trockenheit rutschig  in das Wimbrachgries, ca. 2 1/2 Stunden  (heikel, belastend)  oder über den Watzmanngrat zum Watzmannhaus, mindestens 3 Stunden, eher mehr. (anstrengend) Beide Touren sind nicht zu unterschätzen.
Bildberichte hierzu findet ihr unter unserem Bildbericht über die Watzmann-Überschreitung.

Versuch einer Fehleranalyse zur Tour vom 13./14.10.2001


Wir haben die Wand geschafft und sind gesund und munter zurück. Trotzdem gibt es einiges, worüber nachgedacht werden musste. Vor allem für diejenigen, die unsere Seite besuchen, um Hinweise für ihr Unternehmen zu finden, hier einige der Überlegungen:

1.
Wir hatten zu viel Gepäck
Wegen des Schnees (Wir hatten Im Watzmannhaus angerufen und man hatte uns mitgeteilt, dass auf den Rampen noch 3 bis 4 m Schnee liegen sollen) waren wir ausgerüstet, wie für eine Winterbegehung. Doch Gewicht bremst hier, denn es geht ununterbrochen steil bergauf - das erfordert hohen Kniehub und ist kraftraubend.
Leichtestes Gepäck ist angesagt, das Notwendigste sollte schon dabei sein, mehr aber nicht.

2.
Wir sind zu spät eingestiegen
Da wir erst am Freitagabend von Cottbus losgefahren sind, konnten wir am Samstag erst das erste Schiff nehmen und waren erst gegen 10 Uhr am Einstieg. Im Oktober aber  erst um 10 Uhr zu starten ist, da die Tour mit 6 - 8 Stunden ausgeschrieben ist, von vornherein ein riskantes Unternehmen, denn gegen 18 Uhr ist langsam Schluss mit dem Licht. Folgerichtig standen wir  kurz vor Einbruch der Dunkelheit an der Biwakschachtel.
Die Nacht zuvor sollte im Ostwandlager verbracht werden, um bereits bei Einsetzen der Dämmerung im Einstieg zu sein.

3.
Wir waren zu dritt zu langsam
Als Dreierseilschaft sind wir lange Stücken gesichert gegangen. Das kostet Zeit, ist aber, wenn man auf Sicherheit bedacht ist, an den heikelsten Passagen - auch wenn man sich sicher fühlt - zu empfehlen.
Besser ist das Gehen zu zweit. Oder: jeder ist für sich selbst verantwortlich und man geht völlig ungesichert. Nur das ist wohl nicht Sinn des Ganzen.
Am besten nur in die Wand einsteigen, wenn man den dritten Grad auch bei betäubender Ausgesetztheit sicher beherrscht.

4.
Für die Wand muss man mental reif sein
Als Sachsenkletterer sind wir mehr oder weniger steile und hohe Klettereien gewohnt. Besonders Aldo sah aber bereits an den Spornen und später am Ende der Gipfelschlucht etwas "merkwürdig" aus - halb so wild, aber es musste mehr gesichert werden, wo es sonst vielleicht nicht nötig gewesen wäre.
Klettern können ist nicht klettern können! Bei dieser Tour sollte auch der Kopf hundertprozentig klar sein; auch in Krisensituationen muss man bei 1000m unterm A... genau wissen, was zu tun ist.

Durst, Durst, Durst - nicht nur Axel hat Schnee gegessen!!! 2001 war wegen des späten Einstiegs eine Nacht im Biwak unvermeidbar! Gepäck wie für eine Himalaye-Expedition, eindeutig zu viel und zu schwer Matthias Bölke im Firn der Ostwand - die hat er überlebt, den Krebs 2016 leider nicht

5.
Wir hatten zu wenig Getränke
Jeder hatte ausreichend Getränke mit - dachten wir. Im Schuttkar war die letzte Wasserstelle; die Wasserstelle Gipfelschlucht war trotz Schnee versiegt. Dazu Hitze, Hitze, Hitze ... und zwei Tage Durst!
Ausreichend Getränke sind das A und O - vor allem wenn die Sonne voll in die Ostwand prallt.
Zwar hätten wir am Abend noch ausreichend Schnee schmelzen können, aber aus welchen Gründen auch immer haben wir das nicht getan: Leichtsinn!

6.
Wir waren im Gewaltritt unterwegs
Watzmann-Ostwand in 55 Stunden, gerechnet ab/bis  Cottbus. Die Nächte waren sehr kurz; Axel und Matthias hatten als Kraftfahrer noch die Belastung der Autobahnfahrt. Das hat Kräfte im Vorfeld gekostet!
Für diese Tour muss man fit sein, wie ein Turnschuh. Nicht nur die Klettertechnik und die allgemeine Kondition, die unbedingt vorhanden sein sollten, sind entscheidend, sondern auch die Tagesform.

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