decsenfritjaples

 

  • Willkommen auf Quackensturm

    Bergsteigen, Laufsport, Spaß am Leben

  • Bergsteigen, Laufsport, Spaß am Leben

tw mTorre Wundt, 2517m
Südwand, "Mazzorana", (IV-)

Die Cadinispitzen über Missurina sind ein wahres Kletterparadies. Dabei ist der Torre Wundt zwar mit Abstand nicht der höchste, aber bei Annäherung an die Fonda-Savio-Hütte mit Sicherheit  der am deutlichsten ins Auge stechende Gipfel. Er ist die höchste Erhebung des Toccikamms, der die Cadini-Gruppe nordwestlich begrenzt.
Durch seine Südwand führt die Route "Mazzorana", die mit IV-  bewertet zwar noch im unteren Schwierigkeitsbereich angesiedelt ist, zu der es aber im Kletterführer völlig richtig heißt: "... 4- in mehreren Seillängen, was man auch sicher beherrschen sollte. ..."  Wir sind die Route gestiegen und haben eine Traumtour erlebt.

Talort und Ausgangspunkt:
Missurina, Verbindungsstraße Missurina - Drei Zinnen, Parkplatz an der Talstation der Materialseilbahn zur Fonda-Savio-Hütte,

Anforderungen:
IV-, gleich bleibende Schwierigkeit, nur die beiden letzten Seillängen deutlich leichter,
Kletterlänge: 240 m, Kletterzeit: Angabe lt. Führer 2,5 Std., wir  haben mit Wartezeiten 4 Std. gebraucht.
(Klick hier für das Foto oben mit grobem Tourenverlauf)

Der Zustieg:
Auf markiertem Weg in Richtung Fonda-Savio-Hütte, der Torre Wundt ist kurz vor dem Erreichen der Hütte linksseitig nicht zu übersehen. Zustiegsdauer ab Parkplatz etwa 1 Std.

topoDie Route:
1. Seillänge:
Man folgt der auffälligen Kaminrinne  in der Mitte der Südwand bis zu einem riesigen Block, den man rechts spannend, aber gut umklettern kann (riesiger versteckter Griff unter dem Block) - 45m, IV-;

2. Seillänge:
Vom komfortablen Standplatz auf dem Block folgt man einer auffälligen griffigen Rissverschneidung - 20m, III+;

3. Seillänge:
Jetzt geht es in die Schlüsselseillänge, einfach dem glatten fast senkrechten Verschneidungsriss oder rechts davon der kleingriffigen Plattenkletterei folgen - 45m, IV-;

4. Seillänge:
Vom Standplatz  in Aufstiegsrichtung links in ein deutlich erkennbares Kaminsystem, darin  rechts haltend bis in eine Grotte - 40m, III+,

5. Seillänge:
Aus der Grotte einige Meter links queren und einem dort einsetzenden Riss folgen, bis das Gelände fast in Gehgelände übergeht - 20m, III+;

6. Seillänge:
Jetzt einer rinnenartigen Rampe bis zu deren höchsten Punkt folgend, jedoch nicht in den anschließenden Kamin  zwischen den beiden Gipfelköpfen einsteigen - 35m, II;

7. Seillänge:
Vom höchsten Punkt der Rampe über steiles aber gut griffiges Gelände gerade aufwärts zum Gipfel - 40m, II.

Abstieg:
Westlich in Scharte zwischen Nord- und Südgipfel absteigen (abenteuerlich), dann 30m auf Band in der Nordseite und von dort über 3 x 25m weiter entlang einer Verschneidung abseilen. Dann wird es heikel: man muss nun noch etwa 60m durch äußerst brüchiges Gelände steil in die schon erkennbare erste Scharte absteigen. Wir sind unter Materialverlust teilweise abgeseilt. Aus der Scharte links haltend (immer an der Wand des Torre Wundt entlang) kurz ab- und gleich wieder aufsteigen in eine weitere Scharte und dann durch eine schuttige Rinne südlich zurück zum Wandfuß. Dauer ca. 1 Stunde.

Absicherung:
Alle Stand- aber kaum Zwischenhaken vorhanden. Die Mitnahme weiterer Sicherungsmittel ist unbedingt erforderlich.

Literatur: Anette Köhler / Norbert Memmel, Kletterführer Dolomiten, Bergverlag  Rother, ISBN 3-7633-3015-1 (Auch als Touren-Disk erhältlich,  Titel: "Felsenparadies Dolomiten, 106 mal Klettergenuss zwischen III und VII")
Goedeke, "Alpenvereinsführer Sextener Dolomiten extrem", Bergverlag  Rother, ISBN 3-7633-1255-2
"Dolomiten vertikal", Band Nord, Stefan Wagenhals & Freunde, ISBN 3-934650-01-5, - top!

Karte: Kompass 625, Sextener Dolomiten, ISBN 3-87051-749-2;
Unsere Bewertung: Eine großartige Genusskletterei, unbedingt weiter zu empfehlen - aber nicht zu unterschätzen!
Unsere Teams vom 14.09.2005: Thomas Herrmann, Steffen Große / Aldo Bergmann, Andreas Richter

  

Bereits 2004 hatten Steffen Große und Aldo Bergmann die gewaltige Südwand des Torre Wundt voller Respekt bewundert, zur Besteigung war es damals jedoch nicht gekommen, da das Wetter in der Dolomitenwoche 2004 einfach zu schlecht war. (Vgl. z.B. den Bericht zur Sextener Rotwand ) Doch 2005 sah es bedeutend besser aus, und nachdem im Bereich der Fonda-Savio-Hütte bereits der Il Gobbo bestiegen worden war, stellten sich die Seilschaften Thomas Herrmann, Steffen Große / Aldo Bergmann, Andreas Richter an diesem herrlichen Sonnentag  zur Durchsteigung der "Mazzorana" hinter einer deutschen und einer britischen Seilschaft an. Laut Kletterführer sind Wartezeiten  in dieser sehr beliebten Route eine Selbstverständlichkeit.

Torre Wundt, Mazzarone - Blick auf die Südwand beim Zustieg Torre Wundt, Mazzarone - Los geht es - gleich recht bissig in einem rinnenartigen Kamin mit einem unangenehmen Klemmblock. Torre Wundt, Mazzarone - Andreas Richter erreicht den ersten Standplatz. Torre Wundt, Mazzarone - Steffen folgt Thomas - es war schon etwas merkwürdig, gut in diese Mischung aus Verschneidung und Wand zu kommen ... Torre Wundt, Mazzarone - Aber wenn man erst einmal an den kleinen aber zahlreichen Griffen und Tritten untwergs ist, ist es Klettergenuss vom Feinsten.

Doch irgendwann war Platz in der Tour uns es ging los. Zu unser Überraschung wurde es in der ersten Seillänge gleich richtig bissig. (Bild 2) Die Umkletterung des großen Klemmblocks erfordert dann schon einige geschickte Züge. Andreas nahm es jedenfalls locker und nähert sich auf Bild 3 bereits dem zweiten Standplatz. Doch die anschließende Verschneidungsseillänge ist dafür der reinste Genuss, nur der erste Zug vom Standplatz weg verlangt etwas Akrobatik.
Ab dort folgen dann jedoch aufregende 45m Adrenalin für den Vorsteiger, denn fast senkrecht geht es die Wand hinauf. Die entpuppt sich allerdings als zwar sehr kleingriffig jedoch völlig problemlos. (Bilder 4 und 5 - Steffen steigt Thomas nach)
Auf Bild 6 dann der Blick in die vierte Seillänge - einer angenehmen Kaminfolge in eine riesige feuchte Grotte. Dann aber ist das Ärgste geschafft. Zwar bedarf es noch etwas Geschick, aus der Grotte einen Riss zu erreichen, aber wenn man den erst einmal hat, geht es in sehr leichtes Gelände. Und so ist Andreas auf Bild 7 bereits auf der Rampe (II) unterwegs, im Hintergrund die wunderschön gelegene Fonda-Savio-Hütte.
Bilder 8 und 9: am höchsten Punkt der Rampe: mit berauschendem Tiefblick geht es ab hier die letzten 40m über gestuftes Gelände zum Gipfel.

Torre Wundt, Mazzarone - Dann geht es gutmütig in Kaminfolgen aufwärts Torre Wundt, Mazzarone - Ausstieg aus den Kaminen mit Blick auf die  Fonda-Savio-Hütte Torre Wundt, Mazzarone - Standplatz in der Schlusswand vor dem Gipfel Torre Wundt, Mazzarone - Thomas Herrmann am gleichen Standplatz mit herrlichen Fernsichten

 Torre Wundt, Mazzarone - Thomas Herrmann und Steffen Große auf dem Gipfel, im Hintergrund die Südwände der Drei Zinnen Torre Wundt, Mazzarone - Andreas Richter und Aldo Bergmann, andere Blickrichtung vom Gipfel Torre Wundt, Mazzarone - Steffen in einer der vier Abseilen der 120-m-Abseilpiste Torre Wundt, Mazzarone - selbst gebauter Abseilstand, wir haben über gefährliches Gelände - aus unserer Sicht - nochmals abgeseilt statt abzusteigen Torre Wundt, Mazzarone - die letzten Meter bis zum Fuß des Felsens, man kommt kurz neben dem Einstieg heraus.

Und der lässt das Herz des Bergsteigers gleich höher schlagen: neben dem Gipfelerfolg eröffnet sich ein einmaliger Blick auf die Südseite der Drei Zinnen. Die gehören natürlich unbedingt auf das obligatorische Gipfelfoto (Bilder 10 und 11)
Wer glaubt, der Klettertag sei an dieser Stelle zu Ende, der irrt gewaltig. Richtet Euch auf eine abenteuerliche Talfahrt ein.
Beim Verpacken des nicht mehr benötigten Materials und dem Beginn des Abstiegs vom Gipfel ahnten wir noch nichts von den luftigen steinschlaggefährdeten fast 120 Abseilmetern durch die schattige Nordwand, Absteigen durch brüchiges Gelände (Andreas wäre hier fast mit einer von ihm ausgelösten Steinlawine durch eine Rinne ins Tal geschossen) und abenteuerlichen Pfaden um den Torre Wundt.
Doch wenn man dann in der finalen Schuttrinne südlich zum Wandfuß zurückkehrt (Bild 14) ist auch das vergessen und es bleibt die Erinnerung an eine einfach herausragende Bergfahrt, die jedem weiter empfohlen werden kann.

Empfohlene alpine Links

 

Danke für

den Besuch

auf Quackensturm

Enjoy your life!