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  • Mein Rennsteig-nonstop 2013 - Aus am Großen Inselsberg

rns intro mittelRennsteig-nonstop 2013
30./31.08.2013
(Ein etwas längerer Bericht – kein Wunder, bei der Strecke)

Da sitze ich also wieder zu Hause, starre auf meine Tasse Kaffee und überlege, was eigentlich passiert ist. Kurz und bündig: ich habe das erste Mal in meinem Leben ein Rennen aufgegeben. Und jetzt sind sie da, die zermürbenden Zweifel! Es waren doch nur noch 35 km, die waren doch zu schaffen; es ging doch fast nur noch bergab, ich hätte mich schon erholt …
Aber es nutzt nichts, sich jetzt das Hirn zu zermartern, das Rennen ist vorbei. Ich war mit dem A… voller Tränen nach langem inneren Hin und Her plötzlich aufgestanden, hatte mich an das Kampfgericht gewendet und irgendwie kam es über meine Lippen: Streicht ihr bitte die Nr. 18, ich steige hier aus! 135 km, 21 Stunden 45 min harter Kampf umsonst …

schildFreitag, 30.08.2013
18 Uhr, am Beginn des Rennsteigs an der Selbitzbrücke in Blankenstein.

Der Startschuss für ein verrücktes Rennen fällt – den „rennsteig-nonstop“ über 168,3 km.
Eigentlich halte ich (bisher) nicht viel von solch extremen Veranstaltungen, aber den Rennsteig in einem Stück zu bewältigen, war schon immer einer meiner (verrückten) Wünsche.
Nun gab es die Möglichkeit, nun war ich tatsächlich unterwegs.
Am Start auch Wiese und Torsten Riemer vom T-Rex-Team, aber für mich viel wichtiger: Volker Roßberg, der eigentliche Ultra-Läufer, als mein persönlicher Begleiter/Betreuer auf dem Mountainbike. Und im Umfeld Christiane, die uns fahrlogistisch den Rücken freihalten würde, immerhin liegen Start und Ziel ja doch „ein wenig“ auseinander.

Auf dem Selbitzplatz in Blankenstein, der völlig neu gestaltet worden ist. Hier beginnt der Rennsteig und wenige Stunden nach diesem Foto auch der Lauf Rennsteig-nonstop. Vor dem Start mit dem besten Betreuerteam der Welt: mein treuer Begleiter, Versorger, Aufrichter - und Klare-Worte-Sprecher - Voler Roßberg und Fahr- und Begleitservice Christiane Selle An der Selbitzbrücke, dem Beginn des Rennsteigs, mit meinen Lauffreunden Torsten Riemer und Dirk Wiesner Der Startschuss ist gefallen, 168,3 km beginnen, der vordere Läufer in weiß, Peter Flock, gewinnt das Rennen schließlich in 19:09 Stunden - alle Achtung!

Ca. 21:45 Uhr, 30 km, Steinbach am Wald

Ich sitze auf dem Weg und kann es vor Muskelschmerzen und -krämpfen kaum aushalten. Verdammt, so früh schon!
Nach etwa 21 km hatte uns in Brennersgrün die erwartete Nacht eingeholt, jetzt ging es mit Stirnlampe durch die Dunkelheit. Und schon auf den ersten finsteren Kilometern wurde eines klar: dieses Rennen wird auch wegen des schweren Untergrundes – Steine, Geröll, Wurzeln, steile Auf- und Abstiege – alles andere als ein Vergnügen, erst recht nicht für den Radbegleiter. Vor mir stürzt ein Läufer, verschwindet regelrecht im Bewuchs, kriecht hervor, läuft unverletzt weiter.
Hier in Steinbach dagegen quält uns kilometerlanger Asphalt.
Volker hat das „goldene Händchen“ – der richtige Drink, Powergel, Salztablette.
Mühsam geht es weiter, ohne ihn hätte ich vermutlich schon hier aufgegeben!
Inzwischen war Wiese zu uns herangelaufen, wollte nun bei uns bleiben, denn allein in der Nacht ist das Risiko des Verlaufens viel zu groß.

Laufen in der Abendsonne - auf den ersten Kilometern zwischen Schlegl und Rodacherbrunn, noch ist das Feld relativ eng zusmmen. Bei Grumbach, wenige Kilometer vor dem ersten Verpflegungspunkt in Brennersgrün. Die Nacht naht. Verpflegungspunkt bei Tettau, nach ca. 38 km - die Spuren der ersten Erschöpfung sind erkennbar, auch wenn der Optimismus langsam zurückkehrt. Auch das ist an der Kalten Kücke Tettau, ein Eindruck von der Stimmung an den Verpflegungspunkte, aufgenommen von Kristin Tille.

Samstag, 31.08.2013
Ca. 02:00 Uhr, 57 km, Limbach

Die ersten Läufer geben auf. Spätestens an diesem dritten Verpflegungspunkt ist das Ausmaß des Unternehmens klarer denn je: der Untergrund ist teilweise derart anspruchsvoll, das es trotz Gehens mit etwa 6 km/h kein Problem ist, den Radbegleiter kurzeitig „abzuhängen“. Während man als Läufer noch halbwegs vorwärts kommt, muss der Radfahrer durch das Geröll manövrieren und das Rad teilweise schieben oder gar tragen.
Die erste Erschöpfung ist deutlich spürbar, aber wir haben es ja nicht anders gewollt. Es geht weiter durch die stockfinstere Nacht.

Km 57, Limbach - Torsten Riemer vom T-Rex-Team füllt seinen Trinkrucksack auf - ohne sorgfältige Verpflegung geht hier absolut nichts! Halbzeit! Im Zelt des Verpflegungspunktes Dreiherrenstein bei ca. 83 km. Einmal mehr unbeschreiblich die Fürsorge der zahlreichen freiwilligen Helfer. Da sitze ich also im Kreise Gleichgesinnter - und bin um nicht so viele Jahre gealtert, wie ich älter aussehe ;-) Und nochmals Dreiherrenstein - Dirk Wiesner! Auch an ihm ist die schwere Nacht nicht spurlos vorüber gegangen, er entscheidet hier, das Rennen zu beenden, jedoch erst bei Kilometer 105 - um mehr als 100 km zu haben. Auch eine tolle Leistung, oder?

ca. 6:30 Uhr, 83 km, Dreiherrenstein bei Allzunah

Die Dämmerung hat eingesetzt, die Hälfte ist geschafft. Stunden zuvor, in Masserberg (km 70) hatten wir mit Volker ein besonders Erlebnis: Aus dem Hotel Haus Oberland, vor dem wir kurz Rast gemacht hatten, kam ein Kellner und bot uns – gratis - zwei alkoholfreie Hefeweizen an – herrlich, sage ich euch ;) Danke nach Masserberg!
Dieser Treibstoff war nun aufgebraucht, aber mit dem Licht kam auch der Optimismus zurück. Für Wiese nicht. Das sei nicht sein Ding, er würde noch in aller Ruhe bis Grenzadler laufen, um 100 km voll zu haben, dann steige er aus. Zureden half nichts, Abschied, er wollte langsamer weiter machen. Weiter ging es also im Zweier-Rad-Läufer-Team.
Überraschend gut lief es über die Schmücke auf den Großen Beerberg, nach etwa 100 km der höchste Punkt des Laufes und dann …

Morgenstimmung am Rennsteig - wenn man die Wege in der Nacht alle so einfach ausgesehen hätten! Zwischenstop am Finsterberg. Wie man dem Schild entnehmen kann, ist das Ziel des klassischen rennsteiglaufes Schmiedefeld nur 2,5 km entfernt. Aber nix mit Ziel - ein Supermarathon liegt hinter, ein weiterer vor einem. Mit der Morgensonne kam neuer Schwung, hier am Mordfleck im Austieg zur Schmücke. Nun geht es der Supermarathonstrecke entgegen. 100km sind fast geschafft, nochmals durchatmen an der Wetterstation Schmücke, bevor es auf den Großen Beerberg und damit dem höchsten Punkt des Laufes geht.

10:30 Uhr, 105 km, Grenzadler

… am Durchkommen gibt es keinen Zweifel, es läuft. Und jetzt erst recht: Christiane hatte es nicht länger im Hotel ausgehalten und stand hier unerwartet an der Strecke.  Sie war fortan immer wieder ein paar Kilometer ein treuer Begleiter.
Später erfahre ich übrigens, dass man am Grenzadler vergessen hatte, meine Nummer zu registrieren, Wiese, der später eintrifft, klärte das zum Glück. Danke, alter Kämpfer!
Schwerfälliges Aufstehen vom „Gabentisch“, weiter geht es …

Am Grenzadler bei Oberhof nach 105 km. Während ich die herrliche Tafel plündere füllt Volker wie immer die Reserven für den Weiterweg auf. Ab Oberhof war Christiane immer wieder ein Wegbegleiter, hier in der Nähe des Sperrhügels kurz vor Nesselhof. Hier übernimmt Christiane das, was Volker nicht gemacht hat - kein Vorwurf, Volker - sie füttert mich. Man soll es nicht glauben, mit Kaiserschmarrn! Soetwas hatte es bisher bei keinem meiner Läufe gegeben! Aufbruch an der Neuen Ausspanne bei Tambach Dietharz, wenig später ist das Foto oben links entstanden.

12:45 Uhr, 118 km, Nesselhof

Es ist einfach nur schwer. Die Schmerzen, vor allem im Rücken, sind unerträglich. Getrabt wird wirklich nur noch bergab, der zügige Gehschritt hat längst nachgelassen. Volker hebt sein Gesäß auch immer öfter vom Sattel …Wenigstens das Teil tut mir nicht weh ;)
Ein anderer Läufer, dem offensichtlich übel ist, klagt uns sein Leid im Vorbeigehen. Er könne nichts mehr zu sich nehmen, er würde alles sofort ausbrechen. Ich wollte witzig sein: „Gleich gibt es Pfannkuchen, iss 5, kotz drei aus, bleiben zwei drin und weiter geht es!“
Er ist unvermittelt an den Wegrand getreten und hat ohne Pfannkuchen gleich gek…
(Falls Du das hier lesen solltest: sorry, war nicht so gemeint!)

Die nächste Verpflegungsstelle liegt auf dem Großen Inselsberg, das heißt: es folgt ein hammerschweres Stück. Mein Kopf war längst nicht mehr frei – der vor mir liegende Berg wurde im Hirn immer höher, die letzten Kilometer immer länger … aber an Aufgeben war nicht zu denken. Zumindest in meinem Kopf nicht!

Die Schicksalsbank an der Grenzwiese: hier macht Volker eine klare Ansage zu meinem Zustand und zu seiner Auffassung, wie es weitergehen sollte - namlich gar nicht.15:15 Uhr, ca. 133 km, Grenzweise

Ich erreiche über den Trockenberg die Grenzwiese, hier wartet Volker, der den Berg umfahren hatte, mit Christiane auf einer Bank. Ich sank, vermutlich unter einem schmerzvollen Stöhnen (die Oberschenkel brannten vom Bergabgehen fürchterlich) zu ihnen.
Irgendwie war die Information weit weg, aber klar: „Wir gehen jetzt noch da rauf, dann machen wir einen Cut!“ Volkers Worte waren eindringlich – aufhören? Der Gedanke war mir seit Steinbach nicht mehr gekommen!
Ich solle mich mal ansehen, meinte er?!

15:35 Uhr, 135 km, Großer Inselsberg

Ich erreiche den Großen Inselsberg, das erste Mal während des gesamten Laufes richtig triefend schwitzend, eine Schinderei für jedermann, auch ohne diesen riesigen Anlauf.
Volker und Christiane sind noch nicht oben, es ist kalt, meine Jacke fehlt.
Ich hülle mich in eine Decke, versuche zu essen. Mist, es geht nichts mehr rein!
Jetzt verschwimmen die Ereignisse. Volker kniet irgendwann neben mir, redet mir zu, appelliert an die Vernunft, findet tröstende Worte …  Ich bekomme da heute nicht mehr alles hin, zu viel war da plötzlich im Kopf!
Auf einmal war ich mit dem A… voller Tränen aufgestanden, hatte mich an das Kampfgericht gewendet und irgendwie kam es über meine Lippen: Streicht ihr bitte die  Nr. 18, ich steige hier aus!
Es war 15:45 Uhr.
Wenig später saß ich im Auto – vorbei!

Volker findet die richtigen Worte - wenig später werde ich aufstehen und meine Aufgabe erklären. Bei km 134 auf dem Großen Inselsberg. Mental und körperlich angeschlagen, aber frisch geduscht und guter Dinge - das After-Run-Beer mit Volker , der auf dem Mountainbike eine nicht weniger nenenswerte Leistung abgeliefert hat. Ein Foto, dasa hierher gehört - Torsten Riemer ereicht als einziger von uns drei Startern nach 25:13 Stunden das Ziel in Hörschel - Glückwunsch! Und noch ein Muss-Foto, über das man den Kopf mehr schütteln kann, als über den irren Lauf - wie kann man gerade im Ziel derart viel essen ;-)))))

Und nun sitze ich hier, vor der Tasse Kaffee.
135 km, 21 Stunden 45 min harter Kampf umsonst … Umsonst?
Nein, auf keinen Fall!
Ich war noch nie in meinem Leben so lange und so weit in einem Stück gelaufen. Das Abenteuer war hart und schwer, aber auch  beeindruckend.
Sowohl Volkers Freundschaft und sein klarer Verstand, es gibt einfach nicht genug Worte der Dankbarkeit dafür, sowie Christianes Ängste und Fürsorge waren überwältigend.

Ich bin um ein tolles Erlebnis und unvergessliche Eindrücke reicher, viel reicher.
(Und damit meine ich nicht, dass ich für einen neuen Versuch den Weg bis zum Großen Inselsberg ja nun schon kennen würde …)

 Zur Ergebnisliste    *    Übersicht über die Gesamtstrecke

Nachsatz:
Eines muss ich noch erwähnen: Volker ist mit dem Mountainbike 135 km in fast 22 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 6,1 km/h hinter, vor, neben mir unterwegs gewesen. Er stand immer an der richtigen Stelle, reichte Getränke, fütterte mich, „schiss“ mir ins Gehirn … Und hat immer häufiger das Gesäß vom Sattel gehoben, je näher wir dem unerreichten Ziel kamen! Seine Finger waren danach taub, sein Gesäß schmerzte, die Bremsen seines Rades waren verschlissen!
Auch diese Leistung ist gewaltig und muss hier deutlich hervorgehoben werden!

Und: DANK den Ausrichtern, dem Verein Lauffeuer Fröttstädt e.V. um Gunter Rothe, für ein gut ausgerichtetes einmaliges und tolles Laufevent!

Bilder dieses Berichtes stammen von Volker Roßberg, Christaine Selle, Dirk Wiesner und Kristina Tille

 

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