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fischland-darß-zingst-ultramarathon-prerow1. Fischland-Darß-Zingst Ultramarathon
oder: Die Härte des Flachlandes

Sind es nun dumme oder rechte Zungen, die da behaupten, dass ein Ultralauf im Flachland schwerer sei, als in den Bergen? Denn da gäbe es keine Bergab-Erholungsphasen. Letzten Endes muss das jeder für sich selbst entscheiden, der eine mag es so, der andere so! Ich jedenfalls habe mit dem 1. Fischland-Darß-Zingst Ultramarathon über 109 km mit vermeintlich 163 hm erlebt, wie hart so eine Flachland-Schrumme sein kann.

Meine Geschichte beginnt beim Rennsteiglauf 2016. Dort war ich auf den letzten Kilometern auf Henry Fiddike aus Zingst getroffen. In unserem Gespräch schwärmte er von seinem Vorhaben, in seiner Heimat einen Ultralauf, rund um die Boddengewässer der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, auszurichten.  Als ich dann bei meiner Herbstplanung 2017 tatsächlich auf seine Ausschreibung gestoßen bin, war klar: dort musste ich hin! Zumal dieser Lauf gut mit einem Urlaub an der Küste zu verbinden war.

Also standen wir, ich als Läufer, Almuth (erstmals) als offizielle Radbegleitung, nicht nur in der Starterliste sondern um 4 Uhr des 09.09.2017 auch im Stadion am Bodden in Ribnitz-Damgarten an der Startlinie.
Der Weg dorthin war kein leichter. Denn Problem bei mir: das Abendessen des Vortages hatte gegen 2 Uhr begonnen, aus meinem Körper „zu fallen“. Trotz „bremsender“ Medikamente nahm das Problem kein Ende, ich war  einfach nur schlapp, weich in den Knien – aber es würde schon gehen!

Kein Wunder also, dass ich schon wenige Meter nach dem beeindruckenden Start im Schein von Lagerfeuern der Letzte des Feldes war. Ich schleppte mich mehr schlecht als recht durch die überraschend wellige Landschaft. Lag es nun Almuths fürsorglicher Betreuung, die vorzügliche Versorgung durch den Veranstalter  (da fuhr zum Beispiel ein kompletter Bäckerwagen „Saaler Backmobil“ mit allem was das Herz begehrt als Verpflegungspunkt mit), jedenfalls nach ca. 30 km war ich zunehmend besser ins Laufen gekommen. Ich war immerhin mit etwa 8 km/h unterwegs.

Vor dem Start des 1. Fischland-Darß-Zingst Ultramarathons Kurz vor 4 Uhr an der Startlinie in den Rauchschwaden der Lagerfeuer Die Mystik eines Starts in der Dunkelheit – Lichtspiele auf der Strecke Die alte Bahnlinie nach Zingst ist erreicht, 30 km sind geschafft

Auf der Meinigenbrücke, die das Festland mit der Halbinsel verbindet VP Seebrücke Zingst, erste Ankunft, ca. 45 km sind geschafft Wiek am Darß, es regnet, es ist kalt, noch knapp 40 km liegen vor uns Das Bild sagt alles: Linse nass vom Regen, das Schilf biegt sich, die Kitesurfer haben ihren Spaß

Schon bald stellte sich heraus, dass dieser Flachlandlauf tatsächlich große Reize hat. Bei immer wieder herrlichen Aussichten auf Bodden und Ostsee, verträumten Dörfchen, malerischen Häfen oder auch den Touristenhochburgen Zingst, Prerow & Co., herrlichen Waldpassagen und Schilfwiesen  bleibt es trotz teilweise ermüdend langer Graden immer abwechslungsreich.

Abwechslungsreich war allerdings auch das Wetter! Zum Glück war der angesagte Dauerregen ausgeblieben, gestartet waren wir im Trockenen. Und der leichte Nieselregen zwischen 8 und 10 Uhr war erträglich. Aber dann: gegen Mittag setze stärkerer Regen und heftiger Wind ein. Der Regen wich nachmittags zwar wechselnder Bewölkung und Sonnenschein, aus der Bewölkung goss es aber immer wieder in Strömen und der Wind wurde unangenehm heftig.
Almuth hatte mit ihrem Rad im Wind teilweise deutlich mehr zu kämpfen, als ich zu Fuß.

Mein läuferischer Kampf verschob sich im Verlaufe des Tages zunehmend (mal wieder) von den Füßen in den Kopf!  In Zingst, nach etwa 50 km, hatte der Veranstalter eine zusätzliche 10-km-Runde eingebaut, allein, um auf über 100 km in der Gesamtlänge zu kommen. Einen echten Zugewinn darüber hinaus hatte dieser Abschnitt nicht, teilweise waren bereits gelaufene Passagen nochmals zu durchlaufen. Ich war genervt von dieser gefühlten Überflüssigkeit, ich wollte doch nur den Bodden umrunden!
Bei km 60 zeigte zudem sowohl mein als auch Almuths Navi an, dass wir bei km 55 wären. Das lies Hoffnung keimen, dass die Gesamtstrecke kürzer, die Zusatzrunde also eher unbedeutend wäre.
Als wir aber am Schild 80 km ankamen, hatten wir beide 85 km auf unserem Schirm. Das hält doch keiner aus …
Ab km 89 stimmte es dann und auf der Ziellinie waren es exakt 109 km.

Ahrenshoop, Hafen Althagen, nun scheint die Sonne, 85 km sind geschafft Bei der Seebrücke Wustrow wird es auch für die Radbegleitung sandig und schwer Etwa bei km 89 auf dem Deich in der Nähe der Seebrücke Wustrow Ostseebad Dierhagen, etwa km 94, ich bin platt, auch Bier hilft nicht mehr

Verzweifelte Laufversuche, aber das linke Schienbein streikt Nach 17 Std 10 min ist das Ding um – glücklich aber geschafft! Finisherselfie am kommenden Morgen Unsere Trophäen ;)

Bis zu dieser Ziellinie hatten wir es aber noch weit. Und jetzt galt „wir“ umso mehr.
Denn Almuths Part war alles andere als leicht. Inzwischen spürte auch sie Zeit und Länge und zwar kurze aber knackige Sandpassagen machten das Fortbewegen mit dem Rad alles andere als leicht (Siehe Foto). Dazu mein inzwischen miserabel langsames Tempo – meinen Plan, nach 14 Stunden im Ziel zu sein, hatte ich längst verwerfen müssen. Probleme im linken Schienbein  machten  Joggen unmöglich, selbst mein humpliges Gehtempo war mehr als grottig. Und den inzwischen abgegeben letzten Platz hatte ich damit schneller als gedacht zurück! Humpelnd ging es aber dann doch in der Dunkelheit des Abends vorbei an der Cut-Off-zeit ins Ziel.

nedaille fdzu 2017Jetzt kam eine der vielen kleinen aber besonderen Großartigkeiten dieses Laufes: es wurde auf jeden gewartet, der die Möglichkeit hatte, das Ziel zu erreichen. Applaudierend standen für uns auch die zahlreichen Helfer des DRK, die mich schon lange argwöhnisch beäugt und immer wieder gefragt hatten, ob alles in Ordnung sei, bereit. Ich war mit 17 Std. und 10 min dann erfreulicherweise doch noch ein Finisher!
Und: schon am Vortage war Almuth stolz wie Bolle, als sie, wie jeder Läufer auch, ihre Startnummer und allerlei „Zubehör“ bekam. Hier im Ziel dann der Knaller: auch die Leistung der Radbegleiter wurde mit Medaille und T-Shirt anerkannt. Das hatte ich bisher so nicht erlebt!
Die Medaille übrigens ist etwas Besonderes, denn jede einzelne war professionell getöpfert, individuell gestaltet und ist damit ein Unikat.

Auch wenn ich hier etwas über die Zusatzrunde Zingst und unkorrekte Kilometermarkierung geschimpft habe: das soll dem Ganzen keinen Abbruch tun! Henry Fiddike und sein Team haben ein Ultralaufdebüt hingelegt, das sich sehen lassen kann! Alle Achtung, Glückwunsch und Danke für das Lauferlebnis! Ich habe erfahrene Laufveranstalter erlebt, die von dieser Qualität sehr sehr weit weg sind!

2018 wird es eine zweite Auflage geben – mit den Erfahrungen dieses Jahres lässt dieser Laufveranstalter ein tolles Event erwarten!

Ach ja, eins noch, die Höhenmeter:
Zwischen 0 und 22 m über NN mit insgesamt 163 hm war der Lauf ausgeschrieben und versprach damit, flach wie ein Brett zu sein – die Wahrheit liegt aber woanders:
Mit den normalen Abweichungen waren wir in unseren Aufzeichnungen bei 1555 hm (!!!!). Das ist natürlich Quatsch. Aber die Berechnung über GPSies führt zu 422 hm bei 23 hm Differenz. Das denke ich, ist mehr als zutreffend!

Was bleibt als Fazit?
Eine tolle Veranstaltung, ein rundeherum gelungenes Gesamtpaket! Egal also, ob Flachland- oder Bergultraläufer, wer in diesem Längenbereich unterwegs ist, sollte beim Fischland-Darß-Zingst Ultramarathon unbedingt mal dabei sein!

bodden-fischland-ultramarathonZur Webseite des Veranstalter

Fotos dieses Beitrages stammen auch von Almuth Dictus,
Bilder unserer übrigen Zeit an der Küste findet ihr in Kürze in der Galerie.

Meine Aufzeichnung der Runde, durch GPSies nachberechnet:

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